Ein ganz normaler Arbeitstag in Kirstis Leben...

Heute möchte ich euch anhand eines Tages die Vielschichtigkeit meines Jobs aufzeigen. Der vergangene Mittwoch soll mir hier als Beispiel dienen:

Vero und Soante, ein relativ weit ausgebildeter Paso Peruano, machten in Raisting den Anfang.

Nachdem wir durch das Reiten in verschiedenen Stellungen Kiefer und Genick etwas gelockert haben, veranlassten wir Soante, über ein leichtes, langsames Übertreten auf dem Zirkel (kreuzende Hinterhand lösend für Lendenpartie) auch den Hals fallen zu lassen, die Oberlinie zu dehnen.

Veros Thema ist momentan, ihrem Pferd die gewünschte Form vorzugeben und ihn sich darin finden zu lassen. Feiner steter Kontakt zum Maul und aber auch zum Pferdebauch, keine schlabbernden Zügel!

Ein Pferd mit einer Gangverteilung wie Soante in Anlehnung durch das Genick zu traben, ist für einen weniger (gang-)erfahrenen Reiter keine leichte Aufgabe. Es gilt, vorsichtig trotzdem stetig, ohne viel Handeinwirkung das Tempo zu halten, Linie halten, im Falle des „Raushebens“ ein kurzes, zeitnahes Schließen der Außenhand, nachtreiben und dann wieder Genick lösen, nachgeben und dann hoffen, dass der Gang noch da, bzw. noch besser ist. Also kurz unangenehm machen (Hand schließt sich), was man nicht will und alles Positive sanft begleiten.

Ediths Kjarni stand verletzungsbedingt einige Zeit und obwohl Edith, sobald er durfte, mit der Gymnastizierung vom Boden aus fortfuhr, machte sich die Pause bemerkbar.

Auf Kjarni habe ich mich gesetzt, als das Übertreten von der Mittellinie zum Hufschlag nicht gelingen wollte. Anstatt in sich gerade mit lediglich leichter Stellung vorwärts/seitwärts zu treten, kroch ein U-Häkchen seitwärts/rückwärts. Ich habe ihn zur Korrektur immer nur wenige Schritte seitwärts und immer wieder einige Schritte vorwärts geritten. War er der Meinung, man könne die Lektion kurz vorm Hufschlag beenden, habe ich ihn sofort an der Außenhand angehalten, um dann aufs Neue die Lektion langsam und bewusst zu beenden.

Das Wichtigste hier war wieder mal, Edith die Bedeutung der Außenhand zu verdeutlichen.

 

Mit Angelikas Jungstute klären wir die essentiellen Grundlagen:

  • Stellung abfragen und trotzdem danach an der äußeren Hand weiter geradeaus gehen.
  • Die Bedeutung des biegenden Schenkels.
  • Schenkelgehorsam mit dem einhergehenden Vertrauen, an die Hand hin zu treten.
  • Linie und Tempo halten.

Neben dem Reiten begannen wir sie zeitgleich an das Übertreten an der Hand zu gewöhnen, um so früh wie möglich ein sanftes Werkzeug gegen ihre Schiefe in der Hand zu haben. Der Fleiß zahlt sich bereits aus: aus einem hektischen zwei Sätze seitwärts Hüpfen und dann wieder stehen, entsteht allmählich eine ruhige, bewusste, fließende Bewegung.

Am Mittwoch haben wir die Lektion gemeinsam, ich vom Boden aus, Angelika zu Pferd, auch geritten eingeführt. Nach ein paar gelungenen Wiederholungen haben wir die Einheit sofort beendet, das Pferd belohnt.

 

Hans-Jürgens Snoppi ist durch kontinuierliches Arbeiten mit den Seitengängen deutlich gerader geworden, hat in Folge die Rollerei im Tölt so gut wie abgelegt.

Jetzt geht es darum, den Tölt mehr zu setzen, das ganze Pferd runder und geschlossener zu reiten. Für Hans-Jürgen heißt das, das Pferd durch entsprechende Vorbereitung und aus dem Sitz heraus zu tölten. Weg von der Kontrolle durch hohe Hände und hohes Tempo.

Snoppi lernt zudem gerade, dass eine anliegende Gerte weniger Aufforderung zum Galopprennen, als zu einer fleißig tragenden Hinterhand zu verstehen ist.

 

Viara vertraut mir nach dem dritten Mal Reiten mehr und mehr. Ihre kleinen Tests wie Zulegen, auf der Stelle trippeln oder sich wegrollen, verlieren an Nachdruck.

Ich arbeite sie viel in „ihrer“ Gangart, dem Trab, reite viele Handwechsel, Stellungswechsel, Tempiwechsel und frische die Seitengänge auf.

Nach einer arbeitsreichen Stunde mit dem Ergebnis eines schönen, im ruhigen ausgesessenen Trab geritten Schulterherein, ließ ich die Zügel aus der Hand kauen, ließ sie sich frei vorwärts/abwärts dehnen, um in den Schritt durchzuparieren. Bei Viara hatte man tatsächlich das Gefühl, sie warte nur auf den Knopfdruck, das ganze Programm von neuem zu starten.

 

Etwas später in Schäftlarn stieg ich auf das nächste Pferd: Winnie. Michaela hatte mich gebeten, die Stunde zu teilen, so dass ich beginne und dann sie reitet. Nach intensiver Gymnastizierung durch mich tat sich Michaela leicht, zum Beispiel das Schulterherein in aller Korrektheit nachzureiten. Eine Methode mit nicht zu unterschätzendem Lerneffekt.

Ein kleiner Kritikpunkt meinerseits war, obwohl Winnie ein sehr gehfreudiges Pferd ist, die Promptheit am Bein. Dies war durch das Reiten einiger weniger Übergänge schnell korrigiert. Von reiterlicher Seite her haben wir den Fokus auf Michaelas Sitz in den Übergängen gelegt. Sowohl im Vorkippen als auch im „nach-hinten-lehnen“ gibt man den Sitz auf und stört das Gleichgewicht des Pferdes. Wir haben geübt, im Übergang lediglich zu „wachsen“.

 

Andrea, Bagh und ich erarbeiten gerade das Travers. Andrea hat sehr schnell raus, wie sie mit der Position ihrer Außenhand die Kruppe ihres Pferdes bewegen kann. Das Travers ist immer wieder ein Meilenstein in der Ausbildung jedes Pferdes und gleichzeitig eine echte Herausforderung für den Reiter.

Andrea gehört zu den Lerntypen, die eine mündliche Anweisung sofort umsetzen können, die eine Demonstration also nicht benötigen. Trotzdem durfte ich auch Bagh an diesem Tag reiten, um durch mehrfaches Angaloppieren auf der linken Hand an verschiedensten Stellen der Bahn den Linksgalopp wieder mehr und mehr auf Baghs Festplatte zu installieren und alltäglich werden zu lassen

 

Der (krönende) Abschluss war das Passtraining mit Akkur. Wir waren sehr zufrieden, wie sich Akkurs zunehmende Durchlässigkeit positiv auf den Legevorgang auswirkt.

Nachdem ich einige Zuschauer hatte, habe ich mich leider dazu verleiten lassen, zu viel zu wollen, d.h. in diesem Fall, eine zu lange Strecke anstatt eines kurzen Sprints zu reiten. Tja, und da Eitelkeit vor dem Fall kommt, ist er mir jedes mal rausgesprungen. Ich lerne es hoffentlich noch...

Trotzdem war das wunderbare Nebenprodukt nach den Passläufen genialer Tölt...

Danke!!!

-ENDE-

Text: Kirsti Ludwig, alle Fotos: Claudia Schön